====== Rekrutiert! ====== Ausgerechnet ich! Damit hätte ich niemals gerechnet, dass ausgerechnet ich ausgesucht werde. Wir hatten damals alle Angst. Ausnahmslos alle! Und resigniert waren wir. Und wir waren hungrig, soo hungrig. Jedes Mal, wenn wir etwas angebaut hatten auf unseren Feldern, wenn das Getreide gut stand, dann fielen sie auf einmal wieder über uns her: Diese Männer aus Midian, die wie Heuschrecken in unser Land kamen und alles verwüsteten. Sie ernteten unsere Felder ab. Sie stahlen unser Vieh. Und wer sich ihnen in den Weg stellte, der wurde einfach erschlagen. Übel war diese Zeit. Und grausam. Und auf einmal stand Er hinter mir. Wie hatte er herausgefunden wo ich war? Ich hatte mich doch ganz heimlich an diesen Ort geschlichen um wenigsten das bisschen Getreide zu dreschen, das wir hatten verstecken können. Und ich dachte: Hier bin ich alleine und ungestört. Doch da stand er auf einmal hinter mir. Und was er sagte, das jagte mir einen Schauer über den Rücken. Er sagte: „Der Herr steht dir bei, du starker Kämpfer!“ Wie kommt der dazu, mich als starken Kämpfer zu bezeichnen? Und weshalb behauptet er, dass Gott uns beisteht? Deshalb sagte ich: „Ach, Herr -wer immer Sie auch sein mögen - wenn Gott uns wirklich beisteht, warum geht es uns dann so schlecht? Wo sind denn all die Wunder, von denen uns unsere Eltern erzählt haben? Sie sagen, der Herr habe uns aus Ägypten befreit. Aber was ist jetzt? Er hat uns verlassen und den Midianitern ausgeliefert!“ Und dann sagte er etwas, was mich total verblüffte: Er sagte: „Ich gebe dir einen Auftrag: Geh, und rette Israel aus der Gewalt der Midianiter! Du hast die Kraft dazu!“ „Ich soll Israel retten? Ja, wie denn?! Meine Sippe ist die kleinste in Manasse, und ich bin der Jüngste in unserer Familie. Wie stellst Du Dir das vor?!!“ Aber dieser Typ blieb völlig ruhig und sachlich und sagte: „Ich helfe dir! Du wirst die Midianiter schlagen, als hättest du es nur mit einem einzigen Mann zu tun.“ Als er so sprach, da dämmerte es mir: Entweder bin ich wahnsinnig oder hier redet Gott selbst zu mir. Wie finde ich das heraus? Ich muss hier erst mal weg und einen kühlen Kopf bekommen. Also sagte ich: „Ich habe es nicht verdient, dass du mich anhörst. Aber wenn du willst, dann gib mir bitte ein Zeichen, dass du Gott bist, der jetzt mit mir spricht. Ich möchte dir eine Gabe holen. Bitte geh nicht weg, bis ich wiederkomme.“ Und als er das zusagte rannte ich raus und besorgte das beste Essen, was ich so schnell auftreiben konnte. Der Fremde sollte nicht sagen, dass ich nichts von Gastfreundschaft verstehe. Und beim Essen kann man ja bekanntlich manches viel besser besprechen. Und bestimmt konnte ich herausfinden, ob ich mich nicht doch einfach nur verhört hatte. Aber als ich zurückkam um meinen Gast zu bewirten, da wollte der nichts essen. Statt dessen befahl er, ich sollte das Essen auf den Felsen legen und die Soße ausgießen. Und dann berührte er das Essen mit einem Stab und: Wusch!!! schoß auf einmal eine Flamme aus dem Felsen und verbrannte das ganze gute Essen. Aber der Mann war spurlos verschwunden. Also so hatte ich mir dieses Essen nicht vorgestellt. Immerhin war mir der Appetit jetzt gründlich vergangen. Mir war speiübel und ich hatte Sterbensangst. Ich rief: „Herr, ich muss sterben, denn ich habe deinen Engel mit eigenen Augen gesehen!“ Aber dann kam eine Stimme – ich weiß nicht ob wirklich hörbar oder nur in mir drin: Da sprach Gott zu mir: „Hab keine Angst! Du wirst nicht sterben. Ich schenke dir Glück und Frieden.“ Und darauf habe ich mich verlassen. Und dann ging es los. Irgendwie hatte ich auf einmal Power in mir, mit der ich früher nicht gerechnet hatte. Und so habe ich zunächst mal in meiner Heimatstadt die Götzenaltäre beseitigt. Anweisungen dafür bekam ich jeweils von Gott. Anfangs hatte ich noch Schiss, daher habe ich es zunächst nur im Schutz der Nacht getan, aber später dann auch am Tag. Und Gott hat mich beschützt. Als die Leute entdeckten, dass mir ihre Götzen, denen sie bisher geopfert hatten, überhaupt nichts anhaben konnten, da fassten sie nach und nach Vertrauen. Eines Tages hörten wir, dass die Midianiter wieder einmal mit einem riesigen Heer anrückten. Wie die Heuschrecken. Und da packte es mich. Besser: Da packte ER mich. Und ich blies das Kriegshorn und rief die Männer meiner Sippe auf, mir in den Kampf zu folgen. Wir sandten auch Boten zu den umliegenden Stämmen, und so kam ein ganz ordentlicher Trupp kampfesmutiger Kerle zusammen. Auf einmal waren sie aus ihrer Erstarrung erwacht. Erstaunlich... Als ich das so sah, wurde mir auf einmal mulmig. Was hatte ich da losgetreten? Und so habe ich gebetet: „Herr, gib mir ein Zeichen, dass du Israel wirklich durch mich befreien willst.“ Und Gott gab mir ein Zeichen. Gleich zweimal. Da war mir klar: ER ist auf meiner Seite. Also zog ich los mit meinem Heer. Aber dann passierte etwas Merkwürdiges: Ich hatte gedacht, es wäre ein Vorteil möglichst viele Soldaten zu haben. Aber Gott sagte: „Du hast zu viele Soldaten! Diesem großen Heer will ich nicht den Sieg über die Midianiter schenken! Sonst werden die Israeliten mir gegenüber prahlen: Wir haben uns aus eigener Kraft befreit!“ Also erfolgte die große Musterung. Gott zeigte mir woran ich die erkennen sollte, die mit mir in den Kampf ziehen sollten. Und schließlich blieben nur ganze 300 Mann übrig. Gott sagte: Durch diese 300 Mann werde ich Israel befreien. Schick die anderen fort. Da wurde mir doch mulmig. Mit 300 Mann gegen die Übermacht der Midianiter? Sollte ich die vielen kampfesmutigen Männer wirklich jetzt wegschicken? Aber – wenn Gott auf unserer Seite ist... Wenn Er das sagte... Also habe ich die Männer nach Hause entlassen. Und nur die 300, die Gott ausgewählt hatte, blieben bei mir. Und dann sagte Gott: „Greif die Midianiter an! Ich gebe ihr Lager in deine Gewalt! Wenn du aber Angst hast, dann geh vorher mit deinem Diener Pura hinunter und hör dir an, was sie dort reden. Das wird dir Mut geben, sie anzugreifen!“ So habe ich mich gemeinsam mit Pura zum Lager der Midianiter hinuntergeschlichen. Es war wirklich ein gewaltiges Heer, das dort lagerte. Wir schlichen uns heran, bis wir ein paar Soldaten hörten, die miteinander im Flüsterton sprachen. Und was wir von ihnen hörten, hat uns umgehauen. Da erzählte nämlich einer seinem Kameraden von seinem Albtraum, den er gerade geträumt hatte. Und der andere gab die Deutung des Traumes und sagte: Der Traum kann nur bedeuten, dass Gott dem Israeliten Gideon den Sieg über uns Midianiter schenken wird.“ Als ich das hörte, was die feindlichen Soldaten flüsterten, war mir klar: Der Herr kämpft für mich und Israel. Und ich habe dort im Staub Gott angebetet. Und danach sind wir ins eigene Lager zurückgeschlichen und haben zum Kampf geblasen. Das war vielleicht ein merkwürdiger Angriff. Wir haben uns rund um das Heerlager der Midianiter geschlichen und dann auf einmal alle in die Hörner geblasen und die Krüge zerdeppert in denen wir unsere brennenden Fackeln versteckt getragen hatten. Die Feinde sahen also plötzlich unsere Lichter um das Lager herum und hörten unseren Lärm. Der Kampfschrei meiner Männer klingt mir noch heute in den Ohren: „Wir kämpfen für den Herrn und für Gideon“. Es gab ein riesiges Getümmel. Die Feinde kämpften größtenteils gegen sich selbst und flüchteten. Es war der helle Wahnsinn. Und Israel siegte wurde von der Übermacht der Midianiter befreit. Aber das war nicht meine Kraft gewesen, die das zustande gebracht hatte. Rückblickend sehe ich es immer wieder ganz deutlich: Es kommt nicht darauf an, was ich kann!\\ **ES KOMMT ALLES AUF IHN AN!**\\ Es kommt darauf an, dass ich auf Seiner Seite kämpfe. Dass ich tue was ER sagt. Jedenfalls möchte ich nie - niemals auf seiner Gegenseite kämpfen. Niemals! Und jetzt pass mal auf: Irgendwann wird Er vielleicht auch auf Dich zukommen um dich zu rekrutieren. Wird plötzlich hinter dir stehen – so wie er es bei mir gemacht hat - und dann wird Er dich in seine Dienste holen. Aber sei nicht erstaunt wenn es passiert. Denn: Ich habe es Dir gesagt.\\ \\ (Gideon) \\ nacherzählt von Andreas Bauer nach Richter 6-7 \\ [[Impulse|zurück]]